Liebe in der Erziehung: Was Kinder wirklich brauchen - und warum gut gemeint nicht immer gut gemacht ist

 

Du liebst dein Kind. Das steht außer Frage. Und doch gibt es Momente, in denen dein Kind sagt: Du hast mich gar nicht lieb. Oder du merkst, dass deine Fürsorge eher bremst als fördert. Oder ein Konflikt bricht aus und du weißt nicht, wie du gleichzeitig Grenzen setzen und die Verbindung halten kannst.

Liebe in der Erziehung ist kein einfaches Gefühl, sie ist ein tägliches Tun, das von deiner eigenen Geschichte geprägt ist, von Ängsten, Missverständnissen und dem Wunsch, alles richtig zu machen. Dieser Artikel fasst zusammen, was Kinder wirklich brauchen, um sich geliebt zu fühlen, welche unsichtbaren Fallen die elterliche Liebe begleiten und wie du auch in schwierigen Momenten in Verbindung bleiben kannst.

 

Wenn Liebe ins Leere läuft: Die fünf Sprachen der Liebe

Du gibst und gibst - und trotzdem kommt es nicht an. Das passiert, wenn du in einer anderen Liebessprache sendest als dein Kind empfängt. Gary Chapman hat dieses Konzept bereits vor Jahrzehnten beschrieben: Es gibt fünf Kanäle, über die Menschen Liebe ausdrücken und wahrnehmen.

Die fünf Liebessprachen im Überblick

  • Gemeinsame Zeit: Ausflüge, Spielen, gemeinsam etwas erleben – einfach miteinander da sein.
  • Wertschätzende Worte: Lob, Anerkennung, Komplimente, das aufmerksame Zuhören.
  • Körperliche Nähe: Kuscheln, Streicheln, im Arm halten, körperliche Wärme.
  • Kleine Geschenke und Überraschungen: Eine Notiz in der Schultasche, ein mitgebrachtes Mitbringsel, eine vorbereitete Überraschung.
  • Hilfsbereitschaft: Unterstützung anbieten, Aufgaben gemeinsam erledigen, für jemanden da sein.

Jeder Mensch hat bevorzugte Kanäle, meistens einen oder zwei. Das Problem entsteht, wenn du in deiner eigenen Liebessprache gibst, dein Kind aber auf einem anderen Kanal empfängt. Dann laufen alle deine Bemühungen buchstäblich ins Leere! Nicht weil du nicht liebst, sondern weil ihr aneinander vorbeisprecht.

Die Lösung ist einfach: Beobachte, wie dein Kind dir gegenüber Liebe ausdrückt. Darin zeigt sich meist, welchen Kanal es selbst bevorzugt. Wenn es ständig etwas bastelt oder kleine Überraschungen vorbereitet, spricht es die Sprache der Gesten. Wenn es immer wieder kuscheln möchte, ist körperliche Nähe sein Lieblingskanal. Und dann: Versuche, deine Liebe bewusst in dieser Währung zurückzugeben.

 

Ich will doch nur dein Bestes - oder doch das meine?

Alle Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen: Ist es wirklich das Beste für das Kind, oder das, was du gerade selbst aushalten kannst? Denn Liebe und Angst kommen oft gemeinsam. Wer jemanden besonders liebt, hat auch besonders Angst um ihn.

Ein zu viel an Unterstützung, Kontrolle, Fürsorglichkeit und Ängstlichkeit ist entwicklungshemmend. Gut gemeint ist leider nicht immer gut gemacht. Je größer die Kinder werden, desto mehr müssen wir sie loslassen und Freiraum geben.

Hilfreich ist die Frage nach dem langfristigen Ziel: Was soll dein Kind an Kompetenzen und Stärken entwickelt haben, wenn es erwachsen ist? Die meisten Eltern wünschen sich Selbstständigkeit. Doch genau diese zB. wird sabotiert, wenn kurzfristige Angst das Handeln leitet. Wer seinem Kind nie zumutet, kleine Dinge alleine zu bewältigen, fördert Selbstständigkeit nicht, sondern verhindert sie.

Zwei Handgesten helfen dabei, den Unterschied zu spüren: Schützt du dein Kind, indem du deine Hände schützend über es hältst und alles von ihm fern hältst? Oder bist du als Unterstützung da - im Hintergrund, verlässlich, damit dein Kind Raum hat, sich zu entfalten? Entfaltung zulassen hat sehr viel mit Liebe zu tun.

Liebe hat immer eine Geschichte. Wie deine Kindheit dich prägt

Wie du Liebe gibst und empfängst, hat einen Ursprung. Deine eigene Kindheit hat dein inneres Bild von Liebe geformt. War die Liebe, die du erfahren hast, bedingungslos? Oder hast du bestimmte Verhaltensweisen gezeigt, um Anerkennung zu bekommen?

Übermäßige Anpassung, Harmonie um jeden Preis, gute Noten als Bedingung für Anerkennung - das sind Muster, die sich bis heute auswirken. Sie zeigen sich oft darin, worauf du bei deinem Kind besonders empfindlich reagierst. Wenn dich das Faulenzen deines Kindes triggert, hat das wahrscheinlich mit einer alten Strategie zu tun: Als Kind hast du gelernt, durch Fleiß gesehen zu werden.

Wichtig ist dabei: Die heutige Situation ist nicht die damalige. Das Kind, das gerade nichts tun möchte, hat nichts mit dem Leistungsdruck zu tun, den du früher gespürt hast. Trenne diese Ebenen bewusst voneinander.

Genauso gilt: Dein jetziges Kind ist nicht dein inneres Kind. Wenn dein Kind ein Thema hat, ist es sein Thema, nicht deines aus der Vergangenheit. Nur weil du z.B. als Kind Angst vor Hunden hattest, muss dein Kind das auch haben (damit du dich sicherer fühlst).

Das Gute: Du bist nicht abhängig von deiner Geschichte. Sie wirkt zwar nach, aber du kannst bewusst entscheiden, sie nicht weiterzugeben. Du hast jetzt die Möglichkeit, Liebe anders zu leben als damals - so, wie du es dir wünschst.

 

So fühlt dein Kind deine Liebe wirklich

Kinder fühlen Liebe nicht einfach, weil du sie empfindest. Sie fühlen sich geliebt, wenn sie sich sicher bei dir fühlen. Sicherheit ist die wichtigste Liebesgeste, besonders für kleine Kinder, deren Sicherheitsbedürfnis enorm groß ist.

 

Was Sicherheit für Kinder bedeutet

  • Verlässlichkeit: Du bist da, konstant und prinzipiell erreichbar.
  • Emotionale Präsenz: Nicht nur physisch anwesend sein, sondern ansprechbar, kein Schatten, der vorbei huscht.
  • Co-Regulation: Dabei helfen, starke Gefühle des Kindes zu regulieren, auch wenn du selbst gestresst bist.
  • Führung: Struktur, Grenzen und ein klares Nein, wenn es nötig ist - das gibt Orientierung und damit Sicherheit.

Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Sie brauchen echte. Eine gespielte Harmonie, bei der alle so tun, als wäre alles wunderbar, verunsichert Kinder - denn sie merken, wenn etwas nicht stimmt. Authentizität ist mehr wert als Perfektion. Gut genug reicht.

Kinder brauchen auch keine Eltern, die sich für sie aufopfern. Das gibt dem Kind eine Verantwortung, die es weder tragen will noch kann. Lebe dein eigenes Leben! Dein Kind ist mit dabei, muss aber nicht das Zentrum deines Universums sein.

Und: Eltern, die immer Ja sagen, um Konflikte zu vermeiden, geben ihrem Kind keinen sicheren Rahmen. Es gibt eine natürliche Hierarchie in der Familie. Nicht weil Eltern mehr wert wären, sondern weil sie die Verantwortung tragen und in Führung gehen müssen, damit Kinder Raum für ihre eigenen Entwicklungsaufgaben haben. Das ist kein Widerspruch zur Liebe, es ist Teil davon.

 

Liebe im Konflikt: Verbunden bleiben, wenn es kracht

Die Qualität einer Liebesbeziehung zeigt sich nicht nur in ruhigen Momenten. Sie zeigt sich besonders dann, wenn Sturm aufzieht. Wutanfälle, Bedürfniskonflikte, harte Worte. Wie reagierst du, wenn es kracht?

Zuerst eine wichtige Erlaubnis: Im Konflikt ist vieles erlaubt. Wut ist erlaubt. Starke Emotionen sind erlaubt. Grenzen sind erlaubt. Du kannst gleichzeitig sauer auf dein Kind sein und es lieben! Das sind zwei verschiedene Emotionen, die beide gleichzeitig da sein dürfen.

Für Kinder ist diese Ambivalenz noch schwieriger auszuhalten als für Erwachsene. Sie lieben ihre Eltern und sind gleichzeitig wütend auf sie, weil diese ihnen z.B. gerade eine Grenzen setzen. Das ist eine emotionale Zumutung, die Kinder buchstäblich explodieren lässt. Wenn dein Kind in so einem Moment schreit oder Schimpfwörter wirft - nimm das nicht persönlich. Es ist der Ausdruck einer großen inneren Not, die ihren Ausdruck sucht.

Was im Konflikt hilft

  • Verhalten von Person trennen: Das Verhalten passt gerade nicht, die Person aber schon. 'Ich mag dich, aber das, was du gerade gemacht hast, geht nicht.'
  • Zuerst selbst regulieren: Bevor du reagierst, bring dich selbst in einen ruhigeren Zustand. Das ist deine Verantwortung.
  • In Verbindung bleiben: Nicht aus der Beziehung aussteigen. Sätze wie 'Geh mir aus den Augen' oder 'Ich will dich nicht mehr sehen' können Kinder tief verunsichern, weil sie die Sicherheit zerstören.
  • Verbindung heißt nicht unbedingt Umarmung: Es reicht, zu signalisieren: 'Es ist gerade schwierig zwischen uns, aber wir stehen das durch.'

Das Blödeste im Konflikt wäre, die Verbindung zu unterbrechen. Kinder brauchen das Wissen: Selbst wenn ich explodiere, bleibt meine Mama, bleibt mein Papa. Das gibt ihnen die größte Sicherheit überhaupt. Du darfst trotzdem Entscheidungen treffen, die deinem Kind womöglich nicht passen - solange du dafür die Verantwortung übernimmst und die Verbindung hältst.

 

Fazit: Liebe ist mehr als ein Gefühl

Liebe in der Erziehung ist kein Selbstläufer. Sie verlangt Selbstreflexion, die Bereitschaft zur Übersetzungsarbeit und den Mut, auch in schwierigen Momenten präsent zu bleiben.

Die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:

  • Liebe braucht die richtige Sprache. Lerne, in der Währung deines Kindes zu geben.
  • Gut gemeint ist nicht automatisch gut gemacht! Überprüfe, ob deine Fürsorge genügend Freiraum lässt.
  • Deine Geschichte prägt dich, aber sie bestimmt nicht, wer du heute bist.
  • Kinder fühlen sich geliebt, wenn sie sich sicher fühlen. Sicherheit ist die wichtigste Liebesgeste.
  • Verbindung im Konflikt zu halten ist die höchste Disziplin der Liebe.

Du musst dabei nicht perfekt sein. Du musst gut genug sein und ehrlich. Das reicht.

 

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich, welche Liebessprache mein Kind hat?

Beobachte, wie dein Kind dir selbst Zuneigung zeigt. Kinder drücken Liebe meistens in der Sprache aus, die sie selbst am stärksten wahrnehmen. Ein Kind, das ständig kuscheln möchte, bevorzugt körperliche Nähe. Ein Kind, das Geschenke bastelt, spricht die Sprache der Gesten.

Mein Kind sagt, ich hätte es nicht lieb - obwohl ich alles für es tue. Was mache ich falsch?

Wahrscheinlich gar nichts Falsches, aber vielleicht in der falschen Sprache. Wenn du hauptsächlich durch Taten und Unterstützung liebst, dein Kind aber vor allem Lob und Worte braucht, kommt deine Liebe nicht als Liebe an. Wechsle bewusst den Kanal.

Wie viel Freiraum braucht ein Kind wirklich?

Das hängt stark vom Alter ab. Kleine Kinder brauchen mehr Führung und Struktur. Je größer das Kind wird, desto mehr Freiraum ist entwicklungsfördernd. Als Faustregel gilt: Frag dich, ob du gerade das langfristige Ziel der Selbstständigkeit fördert oder deiner eigenen Angst nachgibst.

Was tue ich, wenn ich im Konflikt die Kontrolle verliere?

Zunächst: Das passiert. Es geht nicht darum, immer perfekt zu reagieren, sondern darum, danach wieder in Verbindung zu gehen. Entschuldige dich, wenn du etwas gesagt hast, das verletzend war und arbeite langfristig an deiner Selbstregulation. Auf meinem YouTube Kanal gibt es dazu eine eigene Videoreihe.

Muss ich immer Ja sagen, um mein Kind zu lieben?

Nein - im Gegenteil. Ein klares Nein, das aus Fürsorge und Führung kommt, ist ein Liebesakt. Kinder brauchen Orientierung. Grenzen geben Sicherheit. Ein Elternteil, das immer Ja sagt, um Konflikte zu vermeiden, gibt dem Kind keinen sicheren Rahmen.

Was ist der Unterschied zwischen Schützen und Festhalten?

Schützen bedeutet: Du bist da, wenn dein Kind fällt, im übertragenen Sinn. Festhalten bedeutet: Du lässt dein Kind gar nicht erst fallen, aus eigener Angst heraus. Schützen fördert Entwicklung, Festhalten verhindert sie.


Ihr wollt als Eltern alles richtig machen und fragt euch, warum das so verdammt schwierig ist?

  • Schon morgens wird schnell die Zündschnur kurz, weil dein Kind bockt.
  • Du weißt zwar, was "richtig" wäre, schaffst es aber nicht, umzusetzen?
  • Abends gehst du mit dem Gefühl schlafen, gerade einmal überlebt, als Mama bzw. Papa aber komplett versagt zu haben?

Wie klingt folgendes für dich:

➙  Du erkennst deinen erzieherischen Autopiloten, deine Prägungen und Trigger.

➙  Du lernst, dein Nervensystem zu regulieren und in Stressmomenten handlungsfähig zu bleiben.

➙  Du verstehst das Verhalten deines Kindes entwicklungspsychologisch neu und in seinen Ursachen

➙  Du handelst klar, ruhig und verbindungsstark, mit innerer Sicherheit statt Reaktion.

Das alles ist möglich, auch für deine Familie.

In einem unverbindlichen, persönlichen Gespräch finden wir heraus, ob ich dich dahin begleiten kann!

 


ÜBER DIE AUTORIN

Autor

BARBARA HÜTTNER

Als ausgebildete Eltern- und Familienberaterin und 4-fach Mama kenne ich die Sorgen und Nöte vieler Eltern. Ich kann dich dabei unterstützen das zu erreichen, wofür du ursprünglich losgegangen bist: Verständnis und liebevolle, sichere Familienbeziehungen!

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Falls du Unterstützung für die konkrete Umsetzung in deinen Alltag brauchst, buche gerne eine Einzelberatung, für eine Intensiv-Begleitung informiere dich hier.

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© Mag. Barbara Hüttner